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«Eine Immobilie muss man auch mit dem Herzen sehen können.»


zurichkreis8.ch, August 2015


Makler haben für Aussenstehende oft etwas Unnahbares, sie erinnern an das Klischee eines Pokerspielers, dem nur zwei Elemente von zentraler Bedeutung zu sein scheinen: die eigenen Karten und diejenigen, die sein Gegenüber haben könnte. Daraus errechnet er einen möglichen Gewinn oder Verlust, er spekuliert. Während des Spiels lässt er sich nichts anmerken, sein Gegenüber soll verlieren, er selbst gewinnen. Nur ein Klischee? Ja, sagt Jenny Streichan und erzählt uns aus ihrer täglichen Arbeit als Immobilienberaterin. 
 

Das Kapital eines Immobilienmaklers sei sehr wohl Wissen, Wissen, das nicht einfach preisgegeben werde und, dass ein Makler spekuliere, gehöre zum Geschäft, das müsse nichts Negatives sein. Käufer, Verkäufer und Vermittler würden nur wahre Werte verhandeln, es gebe keinen Platz für Tricks und verdeckte Spiele. Das Geschäft mit den Immobilien sei wie jedes andere auch. Ein Geschäft eben, jemand verkauft, ein anderer kauft.  

Jenny Streichan
Jede Immobilie hat ihre ganz eigene Geschichte.  

Ist der Verkauf oder Kauf einer Immobilie tatsächlich ein Geschäft wie jedes andere? Für Immobilienberaterin Jenny Streichan ist es etwas mehr. Jede Immobilie habe ihre ganz eigene Geschichte. Das müsse bei einer Handänderung berücksichtigt werden. Man verkaufe nicht einfach ein Haus, wie etwa ein altes Auto, um dann ein neues zu fahren. Bei einem Hausverkauf müsse man sich von einem Teil seines Lebens trennen, es ist, als ob man damit ein Stück Heimat verliere, etwas von seinem eigenen Ich abgebe. Das könne man nicht einfach durch ein neues Haus ersetzen. Ein Haus will man möglicherweise auch nicht irgend jemandem verkaufen, vielleicht möchte man, dass die neuen Bewohner darin weiterleben, das Stück Heimat erhalten. Das müsse man als Makler erkennen, berücksichtigen und damit subtil umgehen. Das gleiche Feingefühl müsse man für Kunden aufbringen, die eine Immobilie suchen. Oft sind diese ungeduldig, verlieben sich schnell, zu schnell in ein neues Objekt. Würde man dann als Makler zu einem voreiligen, wenig überlegten Kauf Hand bieten, nur um ein lukratives Geschäft schnell abzuschliessen, sei dies unehrenhaft. Als Makler müsse man die Wünsche eines Käufers kennen, diese mit den tatsächlichen Bedürfnissen und Ressourcen abgleichen. Emotionale Werte dürfen zwar eine höher bewertete Stellung einnehmen, allerdings müsse man sich diese auch leisten können, damit sie langfristig Freude bereiten. 

Es ist wie ein Drehbuch: Es muss gut sein, damit die Filmgeschichte schön wird.  

Wenn Jenny Streichan mit dem Verkauf einer Liegenschaft beauftragt wird, gehe sie sehr behutsam vor. Die erste Begegnung mit dem Objekt sei immer ein spannender Augenblick. Man müsse sich das so vorstellen, als sei man im Kino und erlebe die ersten Szenen eines spannenden Spielfilms. In den ersten Sequenzen würde man ein Haus von Aussen sehen, aus allen Perspektiven, die unmittelbare Umgebung als Gesamtes wie eine übergrosse, kunstvolle Fotografie wahrnehmen. Anschliessend würde man das Haus betreten, durch die Räume gehen, da und dort länger stehen bleiben, sich erzählen lassen, wer hier bis anhin gewohnt und gelebt habe. So erzähle jeder einzelne Raum seine eigene Geschichte. Das Haus erhält eine Identität, schliesslich würde es zum temporären Zuhause, einem Zuhause, dem man Sorge trage, das man weitergeben wolle, in gute Hände. Diese Einstellung sei enorm wichtig für Jenny Streichan. Es sei eben schon so: Eine Immobilie muss man auch mit dem Herzen sehen können.  

Zur Passion für Immobilien gehört der sorgsame Umgang mit Ressourcen.  

Jenny Streichan haben schöne Häuser schon als Kind fasziniert. Die einen waren Märchenschlösser, andere Burgen, es gab romantische Knusperhäuschen und futuristische Festungen. Aus den Kindheitsträumen von damals sind heute klare Vorstellungen geworden. Es ist die Architektur, die bei jedem Haus grundlegend anders sein kann, ihren Sinn und Zweck hat und aus jedem Objekt ein individuelles Haus macht. Das fasziniere sie heute, sagt Jenny Streichan. Dazu gehöre auch die Baufinanzierung und Bewirtschaftung, Rechts- und Steuerfragen, komplizierte Bewilligungsverfahren etc. Diese Dinge müsse man Punkt für Punkt durchgehen. Erst danach sei das Thema schöner Wohnen angesagt. Jenny Streichan betreut neben individuellen Immobilien-Objekten auch moderne Überbauungen - wie die Residenz Giessen und die Residenz Stocklen in Meilen, beides Vorzeigeobjekte für Eigentumswohnungen im Luxussegment. Streichan ist rund um den Zürichsee tätig, interessiert sich aber ebenso für Stadthäuser und Wohnungen.

Text: Thomas Gysin, August 2015

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